Paulinerkirche
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Paulinerkirche
Urkunde 1544
Chronik
Geschichte
vor 1836
1836 - 1899
1899 - 1968
1968 - 20xx
20xx

200xx

Grundanliegen war und bleibt, die Paulinerkirche originalgetreu so wieder aufzubauen, wie sie bereits zuvor sieben Jahrhunderte überdauern konnte. Im Dezember 2001 unterschrieben 27 Nobelpreisträger dazu in New York einen Aufruf. Prof. Günter Blobel formulierte treffend:

Die Leipziger Paulinerkirche - der wichtigste Schnittpunkt der geistlichen, geistigen und kulturellen Geschichte Deutschlands

Hier wurde bereits eine Reihe von Namen genannt, deren Leben und Wirken sich damit verband: Tetzel, Luther, Bach, Leibniz, Goethe, Gottsched, Lessing, Schumann, Mendelssohn Bartholdy, Wagner, Reger, Heisenberg u.v.a.

Und da trotz ihrer Sprengung und weiteren Vernichtungsaktionen an der "Karl-Marx-Universität" Leipzig im Jahre 1968 85 Prozent des Inventars erhalten waren, blieb folgerichtig nur der originalgetreue Wiederaufbau. Zudem fanden sich im Landesamt für Denkmalpflege in Dresden die Pläne an, so daß eine zentimetergenaue Rekonstruktion möglich wurde.

Seither gibt es zahlreiche neue Erkenntnisstände, so daß sich Vorstellungen, Vorarbeiten, Zeitabläufe, Arbeitsschritte und -richtungen bezüglich des Wiederaufbaus (und wie hier in einem der ersten Web3D-Modelle 2003 zu sehen) teils überraschend geändert haben.

Was damals nicht bekannt war, betraf die kulturbarbarischen Verbrechen von SED und Stasi. Sie betrieben die Vernichtung von allem, was ihrer Ideologie widersprach und machten alles zu "Westgeld" für ihre Diktatur und ihre weltweit agierenden Wissenschaftsspitzel bzw. "Kundschafter" zum Sieg des Sozialimus-Kommunismus. Hierunter fiel auch die staatskriminelle Beraubung der in der Paulinerkirche begrabenen Persönlichkeiten mehrerer Jahrhunderte. Ihre Zahl wurde auf 800 geschätzt. Während in einer geheimen Operation vor der Sprengung der Paulinerkirche die Gebeine anonym in Kindersärgen abtransportiert und versteckt wurden, raubte die Stasi systematisch jeglichen Schmuck. Diese Taten der SED, die alle ethischen Grenzen sprengten, sollten auch nach 1989 nicht publik werden. Deshalb wurde von Seiten SED+Stasi, Nachfolgern, Perspektivkadern & Co. alles unternommen, damit kein Wiederaufbau der Paulinerkirche erfolgt, der diese Aktion zwangsläufig ans Tageslicht gebracht hätte.


Stand 2018

Der gegenwärtige Platzhalter, der anstelle der Paulinerkirche bereits neun Jahre seiner Bauabschreibung hinter sich hat, verdeutlicht eindrucksvoll, daß diese dort fehlt. Gerade da Altar, Epitaphien und Grabplatten vorbildlich restauriert wurden, wird andeutungsweise erahnbar (auch für jene, die die Kirche noch aus DDR-Zeiten als unscheinbar, grau und sanierungsbedürftig in Erinnerung haben), welche Pracht ehemals nicht nur im Chorraum, sondern auch in den Grüften existierte. Zugleich ist für jeden Besucher erlebbar, daß eine auswechselbare Betonkiste die Paulinerkirche nicht ersetzen kann, weil sie weder über eine entsprechende Attraktivität noch über Verweilqualitäten verfügt. Das Erlebnis einer Kirche, daß man in dieser zur Besinnung kommen und beschaulich stundenlang in ihr verbringen kann, ohne Langeweile zu verspüren, fehlt völlig, einmal abgesehen von schlechter Akustik, primitiver Beleuchtung und Innengestaltung.


Die Prioritäten für den Wiederaufbau

Gemäß Grundgesetz zum Wohle und Nutzen des deutschen Volkes ist es höchste Zeit, daß Verbrechen der beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts mit deren Folgen aufgeklärt werden, damit Wiederholungen ausgeschlossen und eine geschichtliche Kontinuität und somit eine werteorientierte Zukunftsfähigkeit in Deutschland hergestellt werden kann.

Wenn wie im Falle der Raubgrabungen und Leichenfledderungen durch SED und Stasi in der Leipziger Paulinerkirche die Eliten mehrerer Jahrhunderte nicht nur Leipzigs, Sachsens, sondern der allgemeinen wissenschaftlichen und geistigen Welt ausradiert werden sollten, so ist das vollständig und lückenlos aufzuklären. Mutwillig unterdrücktes Wissen muß wieder bereitgestellt und Kulturgut wiedergewonnen werden.

Es würde nun diese Seite sprengen, wenn man allein die Persönlichkeiten würdigen wollte, die SED und Stasi mutwillig der Vergessenheit anheim fallen ließen. Als Ende 2006 auf dieser Seite die erste Liste mit Namen erschien, die in Verbindung mit der Paulinerkirche genannt werden mußten, waren es nur bruchstückhafte Erkenntnisse. Danach gab es in den Arbeitsschritten, originale Porträts und Schriften wieder an ihren Entstehungsort zurückzuholen, einige Fortschritte zu verzeichnen. Im Zuge der Digitalisierung erweitern sich stetig die Erkenntnisse, weil somit nicht nur Porträts, sondern auch Nachweise über Leichenpredigten und Originnalwerke teils mehrfach als "Digitalisat" recherchiert und ausgewertet werden können.

Auszugsweise hier die Hinweise auf einige Theologen, Ärzte, Frauen, Juristen, Historiker u.a., Bürgermeister und Kaufleute.

Dies ruft die Bergung und Exhumierung der Toten auf den Plan, die einige Jahre wissenschaftlicher Arbeit deutscher und internationaler Forschungsteams in Anspruch nehmen wird. Diese Arbeiten sind zeitlich vordringlich zu erfüllen.

Vom Zeithorizont Jahre später steht die Öffnung der Etzoldschen Sandgrube an. Die Aushebung und fachgerechte Abtragung ist ohnehin notwendig, da die Verfüllung der Grube nicht mehr heutigen gesetzlichen Anforderungen für Deponien entspricht. In dieser liegen im unteren Teil die oberen Trümmer der Paulinerkirche, während Teile der Grüfte darüber liegen, da sie erst ab Sommer 1968 abgebaggert wurden.

Da in der Etzoldschen Sandgrube auch die weitere Gebäudeteile von Augusteum, Albertinum und Johanneum wahllos mit damaligen Großgerät an Baggern und Lastkraftwagen abgekippt wurden und zu dem einstigen Inventar Zeugenaussagen vorliegen, ist auch hier mit wichtigen Funden zu rechnen. Erst nach diesen Bergungen und entsprechenden wissenschaftlichen Auswertungen kann man ermessen, was für den originalgetreuen Wiederaufbau der Paulinerkirche (und ggf. auch für andere Universitätsbauten) wiederverwendet werden kann.

Man muß zugleich noch erwähnen, daß auch Gemälde aus der Paulinerkirche fehlen, die nach 1945 von den "Freunden" als Kriegsbeute abtransportiert wurden. Offensichtlich ging die Freundschaft zwischen SED/Stasi und KPdSU/KGB doch nicht so weit, daß man geraubtes Kulturgut wie u.a. auch Gemälde aus dem Augusteum, die beziehungslos bei "Freunden" in irgendwelchen Depots liegen, aber zugleich nationales deutsches Geistes-, Kultur- und Wissenschaftserbe darstellen, zu DDR-Zeiten als Zeichen der Freundschaft und Versöhnung wieder zurückgab.

Vom zeitlichen Horizont steht als bedeutendstes Jubiläum für die Universitätsgeschichte im Jahre 2045 die 500-jährige Weihe der Paulinerkirche als erste evangelische Universitätskirche Deutschlands durch Martin Luther an. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten die wesentlichsten Konturen der Planung für den Wiederaufbau bereitstehen.


In welcher Gestalt soll die Paulinerkirche neu erstehen?

Ohne kommenden Erkenntnissen vorgreifen zu wollen, sei der gegenwärtige Stand hier dokumentiert, da bisher der Trend eher lautete: "Innen Bach - außen Rossbach".

Gemäß der nationalen Bedeutung der Paulinerkirche für ihre Kultur-, Wissenschafts- und Geistesgeschichte ist sie ein Symbol für Deutschland bereits weit über acht Jahrhunderte. Und die Entwicklung zeigt, daß eine Zukunft nur im friedlichen Zusammenleben der Völker möglich ist - ohne Stadtmauern und ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Diese Symbolik, daß man aus der Geschichte gelernt hat, sollte aus der Paulinerkirche selbst abgeleitet werden, indem man sie in der äußeren Form errichtet, wie sie bereits existierte, bevor Teile ihrer Mauern in Vorahnung kommender Kriege zugunsten der Stadtmauer geschliffen wurden. Das bedeutet, wo jetzt trister Parkplatz ist, wird künftig die vorreformatorische Fassung mit dem Lettner stehen, wie sie noch Johannes Tetzel und Martin Luther erlebten. Man muß zudem wissen, daß das "Paulügium" nur einen Teil der Grundfläche der Paulinerkirche erfaßt. Der fehlende hintere Teil wurde zugunsten kommerzieller Verkaufseinrichtungen (!) rechtswidrig "abgehackt".

Als innere Fassung der Paulinerkirche empfiehlt sich vermutlich doch die zu Johann Sebastian Bachs Lebzeiten. Mittig ausgerichtet nebst Kanzel und mit zweiter Holzempore (allerdings dann stabiler gebaut), wie sie noch von alten Fotografien der Gestaltung von Albert Geutebrück bekannt sind. Dies ist auch folgerichtig, da nur wenige Epitaphien nach Bachs Tod noch in die Paulinerkirche kamen.

Stark verändern wird sich hingegen der gesamte Unterbau mit Untergewölben. Analog zur Dresdner Frauenkirche wird es diese geben müssen, damit nicht nur die in der Paulinerkirche Begrabenen wieder ihre würdige Ruhe finden und beispielhaft einige besonders wichtige Grüfte dokumentiert werden, sondern damit anschaulich die für Deutschland prägende Entwicklungsgeschichte der Stadt Leipzig mit ihren geistigen, wissenschaftlichen und kulturellen Bezügen auch für Gegenwart und Zukunft manifest wird. D.h. im musealen Unterbau wird auch die Pracht rückgeführten Schmuckes, der Gemälde und weiterer Kunstwerke zu sehen sein, während darüber in der Paulinerkirche wieder der friedliche geistige, wissenschaftliche und musikalische Gedankenaustausch stattfindet.

Damit wird die Paulinerkirche wieder ein Teil der jahrhundertelangen aufbauenden Tradition, die parallel und im Einklang mit anderen Projekten Leipzig wieder zu einer sehenswerten Stadt werden läßt, die zurückliegende Diktaturen aufgearbeitet und Lehren daraus gezogen hat, damit sie in friedlichem Zusammenleben und freier Selbstbestimmung leben und überdauern kann.




Leipzig um 1550


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In Vorbereitung: Musikstadt Leipzig 2050



Paulineraltar

2009 derzeit in der Thomaskirche
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(Wenn sich der Altar geöffnet hat, klicken Sie bitte auf diesen, um den Schnitzaltar zu betrachten.)